Nr.6 Die Maskentanzstilformen des Tongyeong Ogwangdae sowie des Yaryu
beherrschen den Unterlauf des Flusses Nakdong (낙동강, 洛東江) in der
Südgyeongsangprovinz. Man sagt unter anderem, dass das Tongyeong
Ogwangdae seinen Ausgang nahm von einem Marktplatz in Bamma-ri in der
Gegend von Chogye. Vor mehr als hundert Jahren entstand es als
Umsetzung der Spiele und akrobatischen Kunststücke der Daegwangdaepae,
einer professionellen fahrenden Unterhaltungstruppe, die in Bamma-ri
beheimatet war. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde dieses
Maskentanzdrama wiederbelebt durch die private „Uiheung Gesellschaft
zur gegenseitigen Hilfe“. Weitergeführt wurde dieses Erbe von der
„Nansa Gesellschaft zur gegenseitigen Hilfe“ und später dann von der
„Chunheong Gesellschaft zur gegenseitigen Hilfe“, die es dann bis in
die heutige Zeit weiterpflegte und damit überlieferte.
Das Tongyeong Ogwangdae hat viele Gemeinsamkeiten mit anderen
Maskentanzdramen. Es besteht aus einer Vielzahl von Tänzen, zu denen
sich witzige Dialoge, Lieder und schauspielerische Einlagen gesellen.
Begleitet wird das Tongyeong Ogwangdae vom Klang des Ggwaenggwari,
einem kleinen Gong, und weiteren Perkussionsinstrumenten. Die Akteure
necken einander und regen das Publikum an, Fragen zu beantworten, laut
seinen Kommentar zu geben, rhythmisch zu klatschen und manchmal in den
Refrain der Lieder einzustimmen. Der Tanz mit improvisatorischem
Charakter, der von dem Perkussionsensemble begleitet wird, weist hin
auf eine starke lokale Tradition.
Das Tongyeong Ogwangdae besteht aus fünf Handlungsakten und einigen
Tänzen, die begleitet werden von drei rhythmischen Figuren, die von
schamanischen Ritualen stammen. Im ersten Akt tritt die Figur des
Leprakranken auf, der – eine Handtrommel schlagend – einen Trommeltanz
zum besten gibt. Im zweiten Akt folgt der „Tanz des schneidenden
Sarkasmus“, in dem sieben Adlige auftreten. Sie werden bespöttelt vom
Malddugi, der Figur eines einfachen Dieners. Wie dieser Akt
dokumentiert, sind die Ogwangdae- wie die Yaryu-Maskentanzdramen die
besten Beispiele des Verlachens der oberen Gesellschaftsschichten durch
die unteren. Im dritten Akt wird Bibi, ein Angehöriger Adels,
misshandelt von Yeongno. Im vierten Akt, dem „Tanz des Jeja Gaksi“,
kommt eine Familientragödie zur Aufführung, wobei eine
Dreiecksbeziehung des Großvaters, seiner Frau und einer Konkubine zur
Katastrophe führt. Durch den von der Personenkonstellation bedingten
Konflikt kommt es zum Tod der Großmutter, die auf einer Bahre
davongetragen wird. Im fünften Akt folgt dann der Tanz des Jägers, der
dem Löwentanz in anderen Ogwangdae-Maskentanzdramen ähnelt. Zunächst
tanzt der zottelige Löwe, etwas später kommt der Jäger und tötet den
Löwen.
Ogwangdae bedeutet wörtlich „fünf Clowns“. Man geht unter anderem davon
aus, dass sich dieser Begriff auf den Obangsinjang-mu, den Tanz der
fünf Generäle der fünf Himmelsrichtungen bezieht. Im koreanischen
Volksglauben gibt es fünf Generäle, die über die fünf Himmelsrichtungen
(den Norden, Süden, Osten, Westen sowie das Zentrum) wachen. Im
Schamanentanz, der im ersten Akt für die Götter der fünf
Himmelsrichtungen aufgeführt wird, kann man den Wunsch der Menschen
sehen, böse Geister fernzuhalten und im Glück zu leben. Dieser
Volkglaube in die Götter der fünf Himmelsrichtungen stammt ursprünglich
aus dem chinesischen Taoismus.
Im Tongyeong Ogwangdae treten insgesamt 31 Figuren auf. Dem entspricht
auch die Zahl der Masken (hinzu kommt allerdings die Puppe eines
Babys). Das Tongyeong Ogwangdae wurde am 24. Dezember 1964 zum
Wichtigen Immateriellen Kulturgut designiert.
Quelle, Kulturamt Sued Korea
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